Wärmepumpe und Gasheizung im Vergleich
Kurz gefasstAnschaffung, Betriebskosten und Förderung im direkten Vergleich – und die eine Eigenschaft deines Hauses, die die Entscheidung vorwegnimmt.

Ratgeber

Wärmepumpe oder Gasheizung – was lohnt sich für dein Haus?

Die alte Heizung muss raus, und jetzt steht die Frage im Raum: noch einmal Gas oder gleich Wärmepumpe? Die Antwort hängt weniger von deiner Meinung über Technik ab als von einer einzigen Eigenschaft deines Hauses – der Vorlauftemperatur, die es braucht.

Hier ist der ehrliche Vergleich: Anschaffung, laufende Kosten, Förderung und der Punkt, an dem die Entscheidung kippt.

Der schnelle Überblick

WärmepumpeGasheizung
Anschaffung inkl. Einbau15.000 – 25.000 €8.000 – 15.000 €
Förderungbis 70 %keine
Eigenanteil nach Förderung6.600 – 15.400 €8.000 – 15.000 €
Betriebskosten (saniert)ca. 1.300 €/Jahrca. 2.000 €/Jahr
Wartung150 – 300 €/Jahr200 – 400 €/Jahr inkl. Schornsteinfeger
Lebensdauer15 – 20 Jahre15 – 20 Jahre
PlatzbedarfAußeneinheit + Speicherkompakt
Zukunftssicherheithocheingeschränkt

Der entscheidende Zahlenvergleich steht in Zeile drei: Nach Abzug der Förderung kostet die Wärmepumpe oft weniger als die Gasheizung. Das überrascht viele, die nur auf den Listenpreis schauen.

Die entscheidende Frage: Wie warm muss dein Wasser sein?

Eine Gasheizung erzeugt jede Temperatur mit gleichem Wirkungsgrad. Eine Wärmepumpe nicht: Je höher die nötige Vorlauftemperatur, desto mehr Strom braucht sie.

VorlauftemperaturJahresarbeitszahlBewertung
35 °C (Fußbodenheizung)4,0 – 4,5ideal
45 °C (große Heizkörper)3,3 – 3,8gut
55 °C (normale Heizkörper)2,8 – 3,2vertretbar
65 °C (alte, kleine Heizkörper)2,2 – 2,6unwirtschaftlich

So findest du es heraus, ohne jemanden zu beauftragen: Dreh an einem kalten Wintertag die Heizung auf die Temperatur herunter, die du normalerweise brauchst, und stell die Vorlauftemperatur am Kessel schrittweise auf 55 Grad. Bleibt das Haus warm, ist deine Wärmepumpe wirtschaftlich. Wird es kalt, brauchst du vorher größere Heizflächen oder Dämmung.

Was beide im Jahr kosten

Beispiel: Einfamilienhaus, 15.000 kWh Wärmebedarf im Jahr.

FallVerbrauchKosten pro Jahr
Gas (0,12 €/kWh, 90 % Nutzungsgrad)16.700 kWhca. 2.000 €
Wärmepumpe, JAZ 4,0 (0,35 €/kWh)3.750 kWhca. 1.310 €
Wärmepumpe, JAZ 3,05.000 kWhca. 1.750 €
Wärmepumpe, JAZ 2,56.000 kWhca. 2.100 €

Bei einer Jahresarbeitszahl von 2,5 – also im unsanierten Altbau mit alten Heizkörpern – ist die Wärmepumpe im Betrieb sogar teurer als Gas. Genau deshalb ist die Reihenfolge so wichtig: erst Dämmung und Heizflächen, dann die Wärmepumpe.

Zwei Entwicklungen verschieben die Rechnung mit der Zeit zugunsten der Wärmepumpe: Der CO₂-Preis verteuert Gas Jahr für Jahr weiter, und wer eine Photovoltaikanlage hat, deckt einen Teil des Wärmepumpenstroms selbst.

Was das Gesetz vorgibt

Eine funktionierende Gasheizung darfst du weiterbetreiben und auch reparieren. Beim Neueinbau gilt aber die 65-Prozent-Regel: Neue Heizungen müssen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbarer Energie laufen.

Die Umsetzung hängt an der kommunalen Wärmeplanung deiner Gemeinde. Bis diese vorliegt, gelten Übergangsfristen. Eine reine Gasheizung ist damit in vielen Fällen noch möglich – aber sie ist eine Wette darauf, dass Gaspreis und Regulierung sich nicht verschärfen. Bei einer Nutzungsdauer von 20 Jahren ist das eine lange Wette.

Ein Zwischenweg ist die Hybridlösung: Wärmepumpe für den Grundbedarf, Gas für die kalten Spitzen. Sie ist teurer in der Anschaffung, aber im schlecht gedämmten Bestand oft der pragmatische Kompromiss.

Wann welche Lösung passt

Die Wärmepumpe passt, wenn:

  • dein Haus mit 55 Grad Vorlauf oder weniger warm wird
  • eine Fußbodenheizung vorhanden ist oder große Heizkörper
  • Platz für die Außeneinheit da ist und der Abstand zum Nachbarn passt
  • du eine Photovoltaikanlage hast oder planst
  • du die Förderung mitnehmen kannst

Die Gasheizung bleibt sinnvoll, wenn:

  • das Haus unsaniert ist und hohe Vorlauftemperaturen braucht
  • eine Sanierung finanziell auf absehbare Zeit nicht möglich ist
  • kein Platz für Außeneinheit und Speicher vorhanden ist
  • du in wenigen Jahren ohnehin verkaufen willst
  • ein Fernwärmeanschluss absehbar ist und du überbrücken musst

Häufige Fragen zum Vergleich

Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau?

Ja, wenn die Vorlauftemperatur stimmt. Oft reichen größere Heizkörper in zwei bis drei Räumen und ein hydraulischer Abgleich – eine Komplettsanierung ist nicht zwingend nötig.

Muss ich meine Gasheizung austauschen?

Nein, solange sie läuft. Eine Austauschpflicht gibt es im Wesentlichen für sehr alte Konstantkessel über 30 Jahre – Brennwert- und Niedertemperaturkessel sind ausgenommen.

Wie laut ist die Außeneinheit?

Moderne Geräte liegen bei 35 bis 50 Dezibel in drei Metern Abstand. Aufstellort und Schallschutz sind wichtiger als das Datenblatt – plane den Abstand zum Schlafzimmerfenster des Nachbarn mit ein.

Lohnt sich eine Hybridheizung?

Im schlecht gedämmten Bestand ja, weil die Wärmepumpe kleiner ausfallen kann. Du zahlst dafür zwei Anlagen und zwei Wartungen – rechne beides gegen.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Titelbild: KI-generiert.

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