Bad & Sanitär
Walk-in-Dusche oder Duschkabine: Was im Alltag besser funktioniert
Die Walk-in sieht offener aus und lässt sich mit einer einzigen Scheibe in zwei Minuten putzen. Dafür braucht sie mehr Fläche, kühlt schneller aus und lässt Spritzwasser durch, wenn die Maße nicht stimmen.
Fläche Walk-in
ab 120 x 120 cm sinnvoll, komfortabel ab 140 cm Länge
Preis Walk-in
Glas 250 bis 900 €, Montage 250 bis 600 €
Preis Kabine
Kabine 400 bis 1.500 €, Montage 200 bis 500 €
Glasstärke
Walk-in meist 8 bis 10 mm ESG, Kabine 5 bis 8 mm
Wo die Walk-in wirklich Wasser durchlässt
Die offene Seite ist die Schwachstelle, und sie wird beim Kauf regelmäßig unterschätzt. Wasser tritt an drei Stellen aus: als Spritzer vom Körper, als abprallender Strahl vom Boden und als feiner Nebel, der mit der Luft nach draußen zieht.
Entscheidend ist der Abstand zwischen Brause und offener Kante. Als Faustwert brauchst du mindestens 60 bis 80 Zentimeter, damit Spritzer im Duschbereich landen. Bei einer Duschfläche von 90 mal 90 Zentimetern mit einer 80er Scheibe ist dieser Abstand nicht zu erreichen, dort wird die Walk-in zur täglichen Wischaufgabe.
Die Art der Brause zählt ebenfalls. Eine große Kopfbrause, die senkrecht nach unten regnet, spritzt kaum. Eine Handbrause, mit der man sich seitlich abbraust, verteilt Wasser in alle Richtungen. Wer beides nutzt, sollte die Handbrause an der geschlossenen Seite montieren.
Zwei Bauteile entschärfen das Problem: ein bewegliches Klappelement am Ende der festen Scheibe und eine seitliche Stabilisierungsstange, an der sich eine zweite kurze Scheibe befestigen lässt. Beides kostet 120 bis 350 Euro und nimmt der Walk-in wenig von ihrer Offenheit.
Mindestbreite, Gefälle und der Abstand zum Ablauf
Für eine bodengleiche Walk-in braucht der Estrich ein Gefälle von etwa 1 bis 2 Prozent zum Ablauf. Bei einer Duschlänge von 140 Zentimetern sind das 1,4 bis knapp 3 Zentimeter Höhenunterschied. Diesen Aufbau muss der Boden hergeben. In einer Altbauwohnung mit dünnem Estrich ist das der eigentliche Kostentreiber, nicht das Glas.
Beim Ablauf gilt: Eine Wandrinne unter der Brause führt das Wasser auf kurzem Weg ab und braucht nur ein Gefälle in eine Richtung. Ein Punktablauf in der Mitte verlangt vier geneigte Flächen und damit mehr Zuschnitt beim Fliesen. Welche Variante zu deinem Bad passt, steht im Vergleich Duschrinne oder Punktablauf.
Die feste Scheibe wird üblicherweise 90 bis 140 Zentimeter breit gewählt und mit einer Deckenstütze oder einer Stabilisierungsstange gesichert. Ohne Stabilisator schwingt eine hohe Scheibe spürbar, das betrifft die Sicherheit.
Der direkte Vergleich
| Walk-in | Duschkabine | |
|---|---|---|
| Glas oder Kabine | 250 bis 900 Euro | 400 bis 1.500 Euro |
| Montage | 250 bis 600 Euro | 200 bis 500 Euro |
| Bodenaufbau bodengleich | 1.500 bis 4.000 Euro | entfällt bei Duschtasse |
| Mindestfläche sinnvoll | 120 x 120 cm | 80 x 80 cm |
| Spritzwasser | möglich an der offenen Seite | bei intakten Dichtungen kaum |
| Wärme in der Dusche | kühlt schnell aus | bleibt warm |
| Reinigung | eine Scheibe, kein Profil | Profile, Dichtlippen, Rollen |
| Barrierefrei | ja, ohne Schwelle | nur bodengleich ausgeführt |
| Verschleißteile | praktisch keine | Dichtungen und Rollen alle 5 bis 10 Jahre |
In der Summe kostet eine bodengleiche Walk-in im Bestand meist 2.500 bis 5.000 Euro, weil Abdichtung, Estrich und Fliesenarbeiten dazukommen. Eine Duschkabine auf einer Duschtasse liegt komplett bei 900 bis 2.200 Euro. Der Unterschied entsteht also unter dem Glas, nicht am Glas.
Wird es in der offenen Dusche kalt?
Ja, und das ist der Punkt, den Kataloge nie erwähnen. Eine geschlossene Kabine staut die warme, feuchte Luft. Nach einer Minute ist es darin angenehm, auch wenn das Bad selbst kühl ist. Eine Walk-in kann das nicht, die warme Luft zieht nach oben und nach draußen.
Spürbar wird das vor allem bei zwei Konstellationen: bei gekipptem Fenster während des Duschens und in Bädern mit Außenwand oder Dachschräge. Wer nach dem Abstellen der Brause noch kurz stehen bleibt, friert in der Walk-in deutlich schneller.
Gegenmittel gibt es. Eine hohe Scheibe bis 210 Zentimeter statt 200 bremst den Luftzug. Eine Fußbodenheizung im Duschbereich hilft spürbar. Und ein Handtuchheizkörper in Reichweite macht den Unterschied im Alltag oft größer als jede Bauteilwahl.
Zweiter Effekt der Offenheit: Die Feuchtigkeit verteilt sich im ganzen Raum statt in der Kabine. Ohne Fenster oder Abluftventilator steigt damit das Schimmelrisiko an Fugen und Fensterlaibungen. Ein Lüfter mit Nachlauf ist bei fensterlosen Bädern mit Walk-in kein Extra, sondern Grundausstattung.
Reinigung: eine Scheibe gegen Rahmen und Dichtungen
Hier gewinnt die Walk-in klar. Sie hat eine Glasfläche, meist zwei Halteprofile und sonst nichts. Kein Türspalt, keine Laufschiene, keine Magnetdichtung, in der sich Seifenreste sammeln. Ein Abzieher nach dem Duschen, einmal im Monat Glasreiniger, fertig.
Die Duschkabine bringt mehr Fugen mit. Die Dichtlippen an der Tür verhärten mit den Jahren, die untere Laufschiene sammelt Kalk und Haare, und bei Schiebetüren kommt man an die Überlappung der Scheiben nur schwer heran. Genau dort entstehen die grauen Ränder, die sich nicht mehr wegwischen lassen.
Ein ehrlicher Einwand zur Walk-in: Die große Scheibe steht frei im Raum und wird von beiden Seiten gesehen. Kalkschleier fallen dort viel stärker auf als an einer Kabinentür in der Ecke. Bei hartem Wasser lohnt eine Klarglasversiegelung, ab Werk oder als Nachbehandlung für 30 bis 80 Euro.
Barrierefreiheit und spätere Nachrüstung
Eine bodengleiche Walk-in ist der Standard, wenn das Bad altersgerecht werden soll. Es gibt keine Schwelle, kein Anheben des Fußes, und mit dem Rollator oder Duschrollstuhl lässt sich hineinfahren. Als Bewegungsfläche gelten 120 mal 120 Zentimeter als Mindestmaß, für die Nutzung mit Rollstuhl sind 150 mal 150 Zentimeter vorgesehen.
Nachrüsten lässt sich einiges: Klappsitz an der Wand, Haltegriffe in tragfähiger Befestigung, eine Brausestange mit verschiebbarem Halter. Wichtig ist, die Wand hinter den Fliesen dafür vorzubereiten. Eine Vorwandinstallation aus Ständerwerk braucht Traversen an den Stellen, an denen später Sitz und Griffe hängen sollen. Das kostet beim Bau fast nichts und später sehr viel.
Die Duschkabine ist in dieser Hinsicht die Sackgasse. Selbst auf einer flachen Duschtasse bleibt eine Schwelle von zwei bis fünf Zentimetern, und die Türbreite liegt oft unter 60 Zentimetern. Für einen Zuschuss der Pflegekasse ist die schwellenlose Ausführung in der Regel Voraussetzung.
Für wen sich was eignet
- Bad ab 8 Quadratmetern, Sanierung ohnehin geplant: Walk-in bodengleich. Der Bodenaufbau ist in einer laufenden Baustelle am günstigsten.
- Bad unter 6 Quadratmetern: Kabine mit Schiebe- oder Falttür. Sie braucht keine Schwenkfläche und lässt Platz für Waschtisch und Schrank.
- Kaltes Bad, Dachschräge oder Außenwand: Kabine. Die gestaute Wärme ist im Alltag angenehmer als die offene Optik.
- Altersgerechter Umbau geplant: Walk-in mit 120 mal 120 Zentimetern und vorbereiteter Wand für Sitz und Griffe.
- Fensterloses Bad ohne starken Lüfter: Kabine, sonst verteilt sich die Feuchte im ganzen Raum.
- Wenig Lust auf Putzen: Walk-in mit versiegeltem Glas und Abzieher an der Wand.
Wie breit muss eine Walk-in-Dusche sein?
Sinnvoll ab 120 mal 120 Zentimeter Duschfläche, komfortabel ab 140 Zentimeter Länge. Die feste Scheibe misst üblicherweise 90 bis 140 Zentimeter, damit genug Abstand zur offenen Kante bleibt.
Spritzt eine Walk-in-Dusche immer?
Nein. Bei ausreichender Fläche, einer Kopfbrause und mindestens 60 Zentimetern Abstand zur offenen Kante bleibt das Wasser drinnen. Eng gebaute Walk-ins mit Handbrause spritzen dagegen zuverlässig.
Was kostet eine bodengleiche Walk-in im Bestand?
Meist 2.500 bis 5.000 Euro komplett. Der größte Anteil entfällt auf Estrich, Verbundabdichtung, Ablauf und Fliesen. Das Glas selbst macht nur 250 bis 900 Euro aus.
Braucht eine Walk-in-Scheibe eine Stütze?
Ja, ab etwa 100 Zentimetern Breite gehört eine Stabilisierungsstange zur Wand oder Decke dazu. Ohne sie schwingt das Glas, und die Bodenbefestigung wird auf Dauer überlastet.
Lässt sich eine Kabine später zur Walk-in umbauen?
Nur wenn der Boden bereits bodengleich mit Gefälle und Abdichtung ausgeführt ist. Steht eine Duschtasse, bedeutet der Umbau Herausstemmen, neuen Estrich und neue Abdichtung.
Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Maße nach den üblichen Planungswerten für barrierefreie Bäder · Preisspannen Stand 2026, ohne Gewähr.
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