Heizung & Energie

Fußbodenheizung oder Heizkörper: Was die Wärmepumpe wirklich braucht

Die Wärmepumpe braucht keine Fußbodenheizung, sie braucht eine niedrige Vorlauftemperatur. Ob deine vorhandenen Heizkörper das schaffen, findest du mit einem Test an einem kalten Tag heraus, und zwar bevor du über Estrich nachdenkst.

Die klare Empfehlung: Teste zuerst, ob dein Haus mit 50 Grad Vorlauf warm wird. Wenn ja, bleiben die Heizkörper drin und die Wärmepumpe läuft gut. Wenn es bei 50 Grad nicht reicht, tausche einzelne zu kleine Heizkörper gegen größere Modelle. Erst wenn beides nicht genügt oder der Boden ohnehin raus muss, lohnt eine Fußbodenheizung. Die Bedingung für den Umbau lautet also: nur bei ohnehin anstehender Kernsanierung, sonst zahlst du 15.000 Euro für ein paar Zehntel Jahresarbeitszahl.

Vorlauftemperatur

Fußbodenheizung 30 bis 38 Grad, Heizkörper im Bestand 45 bis 60 Grad

Jahresarbeitszahl

Bei 35 Grad rund 4,0 bis 4,5, bei 55 Grad rund 2,8 bis 3,3

Nachrüstung

Fußbodenheizung 70 bis 180 Euro je m², je nach System

Dritter Weg

Niedertemperatur-Heizkörper 400 bis 900 Euro je Raum

Warum die Vorlauftemperatur alles entscheidet

Eine Wärmepumpe hebt Wärme von draußen auf ein höheres Temperaturniveau. Je höher sie heben muss, desto mehr Strom kostet jede Kilowattstunde Wärme. Der Abstand zwischen Außenluft und Vorlauf ist deshalb die eine Zahl, auf die alles hinausläuft.

Als Faustregel gilt: Jedes Grad weniger Vorlauf verbessert die Effizienz um etwa zweieinhalb Prozent. Von 55 auf 35 Grad sind das 20 Grad und damit grob die Hälfte mehr Wärme aus derselben Kilowattstunde Strom.

Die Fußbodenheizung erreicht niedrige Vorlauftemperaturen, weil sie eine riesige Fläche hat. Ein Heizkörper hat wenig Fläche und muss deshalb heißer werden. Genau darin liegt der Unterschied, nicht im Prinzip. Ein doppelt so großer Heizkörper kommt mit deutlich weniger Vorlauf aus und ist damit auch ein Niedertemperatursystem.

Der direkte Vergleich

FußbodenheizungHeizkörper
Typische Vorlauftemperatur30 bis 38 Grad45 bis 60 Grad
Jahresarbeitszahl Luftwärmepumpe4,0 bis 4,52,8 bis 3,3
Stromkosten je 20.000 kWh Wärmerund 1.600 bis 1.750 Eurorund 2.100 bis 2.500 Euro
Nachrüstkosten je m²70 bis 180 Euro0 Euro, Tausch 400 bis 900 je Raum
Aufbauhöhe im Bestand15 bis 120 mmkeine
Reaktionszeit2 bis 6 Stunden15 bis 30 Minuten
Kühlen im Sommermöglich, sanftkaum, Kondensatgefahr
Bauzeit je Wohnungzwei bis sechs Wochenein bis zwei Tage
MöblierungfreiFläche vor dem Heizkörper bleibt frei

Der Stromkostenvergleich beruht auf einem Arbeitspreis von 30 Cent je Kilowattstunde und ist eine Überschlagsrechnung, keine Prognose für dein Haus.

Der Test, der dir die Antwort gibt

Du brauchst dafür nur einen kalten Tag und die vorhandene Heizung. Er funktioniert mit Gas- und Ölkesseln genauso.

  1. Warte auf einen Tag mit etwa null Grad oder kälter.
  2. Öffne alle Thermostatventile vollständig.
  3. Stelle die Vorlauftemperatur am Kessel auf 50 Grad fest ein.
  4. Lass die Heizung zwei bis drei Tage so durchlaufen.
  5. Prüfe in jedem Raum, ob es die gewünschte Temperatur erreicht.

Wird das Haus warm, ist es wärmepumpentauglich, ohne dass ein Estrich angefasst wird. Bleiben ein oder zwei Räume kühl, sind genau dort die Heizkörper zu klein. Bleibt das ganze Haus kalt, ist die Gebäudehülle das Thema, nicht der Heizkörper. Dann bringen Dämmung von Dach und Kellerdecke sowie dichte Fenster mehr als jedes Verteilsystem.

Der dritte Weg: größere Heizkörper

Zwischen den beiden Extremen liegt die Lösung, die in den meisten Bestandshäusern gewinnt. Ein Heizkörper des Typs 33 hat drei Platten und drei Konvektorbleche und gibt bei gleicher Baugröße rund die doppelte Leistung eines alten Typ-11-Heizkörpers ab. Ausgetauscht kostet er 400 bis 700 Euro je Raum inklusive Montage.

Noch weiter geht der Ventilatorkonvektor, oft Gebläsekonvektor genannt. Ein kleiner, leiser Lüfter drückt Luft durch das Register und vervielfacht die Wärmeabgabe. Damit werden 35 bis 40 Grad Vorlauf auch ohne Flächenheizung erreichbar. Der Preis liegt bei 700 bis 1.200 Euro je Gerät.

Meist musst du gar nicht alle Heizkörper tauschen. Die Anlage fährt so heiß, wie der ungünstigste Raum es verlangt. Tauschst du die zwei oder drei Sorgenkinder, sinkt die Vorlauftemperatur im ganzen Haus. Für 2.000 Euro bekommst du so oft den Effekt, für den eine Fußbodenheizung das Zehnfache kostet.

Was kostet eine Fußbodenheizung im Bestand?

Drei Verfahren stehen zur Wahl, und sie unterscheiden sich vor allem in der Aufbauhöhe.

  • Klassisch mit neuem Estrich: Alter Boden raus, Dämmung, Rohre, Estrich, neuer Belag. 70 bis 120 Euro je Quadratmeter, Aufbauhöhe 80 bis 120 Millimeter, Trocknungszeit mehrere Wochen.
  • Dünnschicht- oder Trockensystem: Wird auf den vorhandenen Boden gelegt. 100 bis 180 Euro je Quadratmeter, Aufbauhöhe nur 15 bis 30 Millimeter.
  • Fräsverfahren: Nuten werden in den bestehenden Estrich gefräst, die Rohre eingelegt. 90 bis 150 Euro je Quadratmeter, praktisch keine zusätzliche Höhe, setzt aber einen tragfähigen und ausreichend dicken Estrich voraus.

Die Aufbauhöhe ist im Bestand der eigentliche Knackpunkt. Wachsen 10 Zentimeter Boden, müssen Türblätter gekürzt, Zargen versetzt, Treppenantritte angepasst und Terrassentüren neu angeschlossen werden. Bei mehr als geringfügigen Höhen wird das schnell zur Kernsanierung. Rechne bei 120 Quadratmetern mit 10.000 bis 20.000 Euro nur für die Heizfläche, dazu Belag, Türen und einige Wochen ohne nutzbare Wohnung. Zuschüsse für Heizungstausch und Flächenheizung ändern sich häufig, prüfe Höhe und Bedingungen vor Antragstellung beim Fördergeber.

Wie fühlt sich das im Alltag an?

Die Fußbodenheizung ist träge. Der Estrich speichert Wärme und gibt sie über Stunden ab. Auf eine höhere Solltemperatur reagiert der Raum erst nach zwei bis sechs Stunden. Nachtabsenkung ergibt hier keinen Sinn, die Anlage läuft am besten durchgehend auf konstantem Niveau.

Heizkörper sind schnell. Ein kühles Gästezimmer ist in einer halben Stunde warm, und eine Fete mit zwanzig Leuten lässt sich durch Zudrehen entschärfen. In selten genutzten Räumen ist das ein echter Vorteil.

Der Komfortunterschied ist ansonsten klar zugunsten des Bodens: gleichmäßige Wärme ohne Zugluft, warme Fliesen im Bad, keine Möbelplanung um den Heizkörper herum. Wer zusätzlich eine Sole-Wärmepumpe hat, kann über die Flächen im Sommer sanft kühlen. Mit Heizkörpern geht das nicht sinnvoll, weil sich an der kalten Oberfläche Kondenswasser bilden würde.

Für wen sich was eignet

  • Neubau: Fußbodenheizung. Sie kostet im Rohbau kaum mehr als Heizkörper und bringt die beste Jahresarbeitszahl.
  • Bestand, Test mit 50 Grad bestanden: Heizkörper behalten. Die Wärmepumpe läuft, der Umbau wäre reine Geldvernichtung.
  • Bestand, zwei Räume bleiben kalt: Nur diese Heizkörper gegen Typ 33 tauschen. Rund 1.500 Euro statt fünfstelliger Summen.
  • Kernsanierung mit neuem Boden: Fußbodenheizung. Der Estrich kommt ohnehin raus, die Mehrkosten sind gering.
  • Bad bei kleiner Renovierung: Fußbodenheizung nur in diesem Raum, als Dünnschichtsystem unter den neuen Fliesen.
  • Altbau mit hohen Räumen und alten Gliederheizkörpern: Behalten. Diese Heizkörper sind für 90 Grad ausgelegt und damit heute massiv überdimensioniert.
  • Selten genutztes Gästezimmer oder Büro: Heizkörper. Schnelles Aufheizen schlägt gleichmäßige Strahlungswärme.
Läuft eine Wärmepumpe auch mit alten Heizkörpern?

Ja, wenn das Haus mit rund 50 Grad Vorlauf warm wird. Alte Gliederheizkörper sind oft für 90 Grad ausgelegt und dadurch groß genug. Teste es an einem kalten Tag.

Wie viel besser ist die Jahresarbeitszahl mit Fußbodenheizung?

Etwa ein Drittel bis die Hälfte. Bei 35 Grad Vorlauf liegen typische Werte zwischen 4,0 und 4,5, bei 55 Grad zwischen 2,8 und 3,3. Jedes Grad weniger bringt rund zweieinhalb Prozent.

Was kostet die Nachrüstung einer Fußbodenheizung?

70 bis 180 Euro je Quadratmeter, abhängig vom System. Für 120 Quadratmeter sind das 10.000 bis 20.000 Euro, dazu Bodenbelag, Türanpassungen und mehrere Wochen Baustelle.

Muss ich alle Heizkörper austauschen?

Nein. Die Anlage fährt so heiß wie der schlechteste Raum. Tauschst du die zwei oder drei zu kleinen Heizkörper, sinkt die Vorlauftemperatur im ganzen Haus.

Kann ich mit der Wärmepumpe auch kühlen?

Über eine Fußbodenheizung ja, sanft und ohne Zugluft, am besten mit Sole-Wärmepumpe. Über Heizkörper nicht sinnvoll, weil sich an der kalten Oberfläche Kondenswasser bildet.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Kosten- und Effizienzangaben sind Spannen aus dem deutschen Markt und ohne Gewähr.

Weitere Themen aus „Heizsysteme“

Passende Nachbarthemen