Heizung & Energie
Infrarotheizung oder Wärmepumpe: Die Rechnung, die selten jemand macht
Eine Infrarotheizung macht aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme, eine Wärmepumpe macht daraus dreieinhalb. Deshalb kostet Infrarot in einem normalen Bestandshaus jedes Jahr rund das Drei- bis Vierfache an Heizstrom, und das schlägt jeden Vorteil bei der Anschaffung.
Wirkungsgrad
Infrarot rund 1,0, Wärmepumpe 3,0 bis 4,5 im Jahresmittel
Heizstrom 120 m² Bestand
Infrarot rund 12.000 kWh, Wärmepumpe rund 3.400 kWh
Anschaffung
Infrarot 3.500 bis 9.000 Euro, Wärmepumpe 18.000 bis 35.000 Euro
Förderung
Wärmepumpe zuschussfähig, Infrarot nicht
Wirkungsgrad 1 gegen JAZ 3,5: der Kern der Rechnung
Eine Infrarotheizung ist eine elektrische Direktheizung. Sie wandelt Strom in Wärme um, und zwar praktisch vollständig. In der Werbung heißt das hundert Prozent Wirkungsgrad. Das ist die Obergrenze.
Eine Wärmepumpe erzeugt keine Wärme, sie holt vorhandene Wärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser und hebt sie auf Heiztemperatur. Deshalb bekommt sie aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme. Diese Zahl heißt Jahresarbeitszahl. Realistisch sind 3,0 bis 3,5 bei Luft-Wasser-Geräten mit Heizkörpern und 4,0 bis 4,5 mit Flächenheizung im gut gedämmten Haus.
Für dieselbe Wärme braucht die Infrarotheizung also ungefähr dreieinhalbmal so viel Strom. Daran ändert keine Bauart etwas, hier setzt Physik den Rahmen.
Betriebskosten bei 120 Quadratmetern durchgerechnet
Gerechnet für ein teilsaniertes Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern und einem Heizwärmebedarf von 100 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr, also 12.000 Kilowattstunden. Strompreise Stand 2026: Haushaltsstrom 32 Cent, Wärmepumpentarif 25 Cent je Kilowattstunde.
| Infrarotheizung | Luft-Wasser-Wärmepumpe | |
|---|---|---|
| Heizwärmebedarf | 12.000 kWh | 12.000 kWh |
| Wirkungsgrad bzw. Jahresarbeitszahl | 1,0 | 3,5 |
| Strombedarf im Jahr | 12.000 kWh | rund 3.430 kWh |
| Strompreis | 32 Cent | 25 Cent |
| Heizkosten im Jahr | rund 3.840 Euro | rund 860 Euro |
| Anschaffung | 3.500 bis 9.000 Euro | 18.000 bis 35.000 Euro |
| Nach Förderung | unverändert | deutlich niedriger |
| Wartung im Jahr | praktisch keine | 150 bis 300 Euro |
| Lebensdauer | 15 bis 25 Jahre | 15 bis 20 Jahre |
Die Differenz von rund 3.000 Euro im Jahr ist der eigentliche Punkt. Selbst wenn die Wärmepumpe 20.000 Euro mehr kostet, ist der Abstand nach sieben Jahren ausgeglichen, nach Förderung früher.
Warum Infrarot bei der Anschaffung vorn liegt
Der Preisunterschied ist real und leicht zu erklären. Eine Infrarotheizung besteht aus Panels, Haltern und Thermostaten. Es gibt keinen Heizraum, keine Hydraulik, keinen Pufferspeicher und keine Außeneinheit. Für 120 Quadratmeter rechnest du mit acht bis zwölf Panels und 3.500 bis 9.000 Euro fertig montiert.
Ein Punkt, der oft fehlt: Elektrische Direktheizungen ziehen viel Strom auf einmal. Ob deine Hausinstallation und die Absicherung das tragen, muss eine Elektrofachkraft prüfen. Panels selbst an vorhandene Steckdosen zu hängen ist keine gute Idee, und in Bad und Feuchtraum gelten zusätzliche Anforderungen an Abstände und Schutzart. Das ist keine Arbeit für Laien.
Wann Infrarot die richtige Wahl ist
- Passivhaus und sehr gut gedämmter Neubau. Bei 15 bis 25 Kilowattstunden je Quadratmeter fällt die Heizrechnung so klein aus, dass der Faktor kaum ins Gewicht fällt.
- Einzelner Raum. Ein Panel im Bad, im Homeoffice oder im Wintergarten, während der Rest über die Zentralheizung läuft.
- Ferienhaus mit wenigen Wochen Nutzung. Kurze Aufheizzeit, kein Frostschutz für Leitungen nötig, keine Wartung über den Winter.
- Räume ohne Heizungsanschluss. Ausgebauter Dachboden, Anbau, Gartenhaus. Eine Leitung dorthin zu ziehen kostet oft mehr als das Panel.
- Übergangslösung. Wenn die alte Heizung ausfällt und die neue erst in Monaten kommt.
In allen anderen Fällen bezahlst du den günstigen Einbau mit hohen laufenden Kosten. Welche Alternativen es zur Wärmepumpe sonst gibt, zeigen Wärmepumpe oder Gasheizung und Pelletheizung oder Wärmepumpe.
Rechnet sich Infrarot mit eigener Photovoltaik?
Das ist das häufigste Verkaufsargument, und es hält der Jahreszeit nicht stand. Eine Photovoltaikanlage liefert ihren Ertrag zwischen März und September. Geheizt wird zwischen Oktober und April. In Dezember und Januar bringt eine Südanlage nur einen kleinen Bruchteil ihres Jahresertrags, und genau dann brauchst du die meiste Wärme.
Ein Speicher ändert daran wenig, weil er Stunden überbrückt und nicht Monate. Der Anteil deines Heizstroms, den du im Winter selbst erzeugst, bleibt bei einer üblichen Anlage klein.
Die Photovoltaik hilft trotzdem, aber gleichmäßig: Sie senkt den Strompreis für beide Systeme. Und weil die Wärmepumpe nur ein Drittel der Kilowattstunden braucht, deckt derselbe Solarstrom bei ihr einen viel größeren Teil der Heizarbeit. Mehr dazu im Vergleich Photovoltaik mit oder ohne Speicher.
Was das Gebäudemodernisierungsgesetz seit Juli 2026 verlangt
Hier sind viele Ratgeber noch auf dem alten Stand. Das Gebäudeenergiegesetz wurde novelliert und in Gebäudemodernisierungsgesetz umbenannt, kurz GModG, verkündet Ende Juli 2026 im Bundesgesetzblatt.
Die frühere Anforderung, dass neu eingebaute Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, ist damit entfallen. Sie kommt nicht mehr zur Anwendung. Wer aktuell liest, eine Infrarotheizung sei wegen dieser Quote unzulässig, liest eine überholte Information.
Die Entscheidung fällt damit wieder rein wirtschaftlich. Anforderungen an Bauteile, an den Nachweis bei größeren Sanierungen und an die kommunale Wärmeplanung bestehen weiter. Welche Regeln in deinem Fall greifen, entscheidet die zuständige Stelle im Einzelfall. Dieser Abschnitt gibt den Stand September 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Kläre den Fall vor der Beauftragung mit einem Energieberater.
Welches System gefördert wird
Der Unterschied ist deutlich. Wärmepumpen sind über die Bundesförderung für effiziente Gebäude zuschussfähig. Die Grundförderung liegt bei 30 Prozent, mit den möglichen Boni sind insgesamt bis zu 80 Prozent erreichbar. Die maximal anrechenbaren Kosten liegen bei 28.000 Euro für die erste Wohneinheit.
Infrarotheizungen sind als reine Stromdirektheizung nicht über die Heizungsförderung zuschussfähig. Damit verschiebt sich der Anschaffungsvergleich noch einmal deutlich zugunsten der Wärmepumpe.
Drei Punkte für die Praxis: Der Antrag muss vor der Auftragsvergabe stehen, für viele Geräte gelten Mindestanforderungen an Effizienz und Geräusch, und die Sätze wurden 2026 mehrfach angepasst. Prüfe die aktuellen Bedingungen deshalb direkt beim Fördergeber, bevor du unterschreibst.
Für wen sich was eignet
- Bestandshaus mit über 40 kWh je Quadratmeter und Jahr: Wärmepumpe. Der Betriebskostenabstand ist zu groß, um ihn zu ignorieren.
- Passivhaus oder sehr effizienter Neubau: Infrarot ist rechenbar, besonders ohne Platz für Technikraum.
- Bad, Hobbyraum oder Wintergarten als Einzelfläche: Infrarotpanel als Ergänzung, nicht als Ersatz.
- Alte Heizkörper mit hoher Vorlauftemperatur: vor der Wärmepumpe prüfen lassen, ob Flächenheizung oder größere Heizkörper nötig sind. Dazu passt Fußbodenheizung oder Heizkörper mit Wärmepumpe.
- Mietobjekt: Vorsicht mit Infrarot. Hohe Heizkosten trägt die Mieterseite und das wird bei Neuvermietung zum Thema.
- Ferienhaus oder Wochenendnutzung: Infrarot. Wenige Betriebsstunden im Jahr drehen die Rechnung.
Hat eine Infrarotheizung wirklich 100 Prozent Wirkungsgrad?
Ja, aber das ist die Obergrenze für eine Direktheizung. Eine Wärmepumpe liefert aus derselben Kilowattstunde Strom das Drei- bis Vierfache an Wärme, weil sie Umweltwärme nutzt statt sie zu erzeugen.
Gilt die 65-Prozent-Regel für Heizungen noch?
Nein. Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz vom Juli 2026 ist sie entfallen. Andere Anforderungen an Gebäude und Bauteile bestehen weiter. Den Einzelfall klärt die zuständige Stelle, nicht dieser Text.
Lohnt sich Infrarot mit eigener Photovoltaik?
Nur begrenzt. Der Solarertrag fällt im Winter am kleinsten aus, genau dann heizt du am meisten. Ein Speicher überbrückt Stunden, keine Monate.
Wird eine Infrarotheizung gefördert?
Als reine Stromdirektheizung ist sie nicht über die Heizungsförderung zuschussfähig. Wärmepumpen sind es, mit einer Grundförderung von 30 Prozent und Boni bis insgesamt 80 Prozent.
Kann ich Infrarotpanels selbst anschließen?
Nein. Der Anschluss gehört in die Hand einer Elektrofachkraft, die auch Absicherung und Leitungsquerschnitte prüft. In Bädern gelten zusätzliche Anforderungen an Abstände und Schutzart.
Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Beispielrechnung mit 32 Cent Haushaltsstrom und 25 Cent Wärmepumpentarif, Stand 2026, ohne Gewähr · Angaben zum Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzen keine Rechtsberatung.
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